High-Protein-Eiskaffees im Check: Was steckt da drin?

Antenne Unna

High-Protein-Eiskaffees im Check: Was steckt da drin?

Eiswürfel sind in einem Glas Eiskaffee zu sehen
© Annette Riedl/dpa/dpa-tmn

Mehr Eiweiß, aber...

Bremen (dpa/tmn) - Wer zu einem High-Protein-Eiskaffee greift, verspricht sich nicht nur einen erfrischenden Koffein-Kick, sondern Dank dem extra Schuss Eiweiß auch gleich noch einen Fitnessvorteil. Praktisch: Auch weniger Zucker soll meist in ihnen stecken - gegenüber klassischen Eiskaffees. Soweit das Image.

Was in den Trend-Getränken tatsächlich steckt und wie es um Transparenz, Nährwerten und Preisen steht, wollte die Verbraucherzentrale Bremen wissen und machte einen Marktcheck. Sie orderte 14 trinkfertige High-Protein-Eiskaffees und verglich sie mit zehn klassischen Eiskaffees. Und das sind die Ergebnisse:

Mehr Protein heißt nicht weniger Kalorien

High-Protein-Eiskaffees enthalten in der Tat mehr Eiweiß (+192 Prozent) und deutlich weniger Zucker (-40 Prozent) als klassische Eiskaffees. «Der Energiegehalt ist trotzdem fast gleich, es ist ein Prozent mehr bei High-Protein-Eiskaffee», berichtet Katja Quantius, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Spitzenreiter, was die Kalorien betrifft: Der Protein-Eiskaffee von Vilgain war im High-Protein-Segment das kalorienreichste Produkt: 79 kcal pro 100 ml - das summiert sich auf 260,7 pro Packung (330 ml). Bei den Klassikern zählt Mövenpick Iced Coffee Machiato (220 ml) zu den energiereichsten - mit 88 kcal pro 100 ml, also insgesamt 193,6 kcal.

Süßstoffe statt Zucker - trotzdem süß

Um den Zuckergehalt zu senken, greifen viele Hersteller auf Süßstoffe zurück: Zwölf der 14 High-Protein-Produkte enthalten mindestens einen, teils mehrere, Süßstoffe gleichzeitig, fanden die Marktchecker heraus. Das spart zwar Zucker, sorgt aber für eine sehr intensive Süße und könnte die Gewöhnung an einen hohen Süßegrad fördern, warnen die Verbraucherschützer.

Sieben der 14 untersuchten High-Protein-Eiskaffees werben zudem mit dem Hinweis «ohne Zuckerzusatz». Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass diese Produkte zuckerfrei sind, so die Verbraucherschützer. Sie erklären: Die Angabe bedeutet lediglich, dass bei der Herstellung keine Einfach- oder Zweifachzucker wie Glukose, Fruktose oder Haushaltszucker zugesetzt wurden.

Gänzlich zuckerfrei seien Produkte wie diese selten, da Milch und pflanzliche Alternativen von Natur aus Zucker enthielten. Das sei zwar erlaubt, es lohnt jedoch ein Blick auf die Zutatenliste, raten die Verbraucherschützer.

High Protein Kaffee im Schnitt über 20 Prozent teurer

Der höhere Eiweißgehalt hat seinen Preis. High-Protein-Eiskaffees kosten durchschnittlich 7,50 Euro pro Liter, klassische Produkte 5,81 Euro. Allerdings lohne sich wie immer ein genauer Blick, da sowohl bei Proteinvarianten als auch bei Klassikern Markenpreise stark variieren und Eigenmarken oft günstiger sind.

Woher kommt der Eiweiß-Boost?

Die untersuchten High-Protein-Produkte basieren laut der Verbraucherschützer meist auf Milch oder Wasser, denen isolierte Eiweißstoffe zugesetzt werden, etwa Milcheiweiß, Molkenprotein oder pflanzliche Proteine. Die Marktchecker schlüsseln auf: Zwölf der 14 Produkte setzen auf Milchprotein, zwei (der «Protein Iced Coffee Macchiato» von Harvest Moon und der «Coffee Shake» von vly) auf pflanzliche Alternativen.

Der Kaffee- und Koffeinanteil ist bei Eiskaffees sehr unterschiedlich

Was die Checker überrascht hat: In vielen Fällen liegt der Kaffeeanteil lediglich zwischen 0,3 und 2 Prozent, häufig als Extrakt oder Instantkaffee. Ein Produkt kommt ganz ohne Kaffee aus und arbeitet ausschließlich mit Aromen, mehrere weitere ergänzen Aromastoffe oder Farbstoffe. Nur ein Produkt enthält einen nennenswerten Anteil gebrühten Kaffees.

Der Koffeingehalt schwankt stark zwischen 6,4 und 54 mg pro 100 ml (Durchschnitt: 29,4 ml) und wird bei vier Produkten nicht angegeben. Dies sei gesetzlich nicht vorgeschrieben, wäre aber aus Sicht der Verbraucherschützer bei so großen Schwankungsbreiten durchaus wünschenswert. Einzelne Hersteller setzen zusätzlich Koffein zu. Zum Vergleich: Ein typischer 35-ml-Espresso enthält etwa 70 mg Koffein, eine 200-ml-Tasse Filterkaffee etwa 95 mg.

Klassische Eiskaffees schneiden deutlich besser ab: Sie enthalten zwischen 16 bis 24,8 Prozent echten gebrühten Kaffee und kommen im Schnitt auf 40,8 mg Koffein pro 100 ml.

4 Tipps der Verbraucherschützer für selbstgemachten Eiskaffee

  • Übrig gebliebenen Frühstückskaffee portionsweise einfrieren und später mit Milch oder einer pflanzlichen Alternative zu einem Getränk aufgießen.
  • Heißen Espresso direkt über Eiswürfel gegeben und anschließend nach Geschmack ergänzen.
  • Kalten Kaffee mit etwas Zucker sowie Milch oder einer veganen Alternative kombinieren und mit Eiswürfeln auffüllen.
  • Als klassische Dessertvariante wird Eiskaffee aus kaltem, gesüßtem Kaffee, Vanilleeis und Sahne zubereitet.
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